Organspende - (auch) eine Frage der Solidarität!

CDU Münster-Süd und GPA diskutierten über die Widerspruchslösung

25.10.2018, 19:09 Uhr

Als Prof. Schmidt die Frage in den Raum der Zuhöherinnen und Zuhörer warf, wer im Ernstfall gerne eine Organspende erhalten würde, gingen die Finger schnell nach oben. Die nächste Frage indes wurde dezenter beantwortet, nämlich: haben Sie selber einen Organspendeausweis?

Zum Thema Organspende und der aktuellen politischen Diskussion über die sog. Widerspruchslösung hatten die CDU Ortsunion Münster-Süd und der gesundheitspolitische Arbeitskreis (GPA) der CDU interessierte Mitglieder in den Zwei-Löwen-Club eingeladen. Nach einer musikalischen Einleitung durch die Dandys refereierten mit Prof. Schmidt und Prof. Pascher zwei Experten auf dem Gebiet der Transplantationsmedizin. Denn beide beschäftigen sich seit Jahren mit eben diesem Spezialgebiet, über das man nur ungerne spricht, hängt es doch immer auch mit dem Tod zusammen.

Prof. Schmidt konnte aus seiner jahrelangen Erfahrung berichten, dass die Transplantation von Organen, gerade auch in Münster, bereits schon nahezu einen "Routineeingriff" darstelle. Das UKM Münster sei, so der Mediziner, in den "TOP 4" der Kliniken, die Transplantationen durchführten. Dabei unterstrich der Arzt, dass sowohl für die Betroffenen und Angehörigen als auch die Ärzte selbst eine erhebliche Last und Verantwortung bestehe. Denn eine echte Auseinandersetzung mit dem Thema leide vor allem auch daran, dass die Diskussion meist durch Beiträge "vergiftet" würde, wer wann ein Spenderorgan erhalten dürfe. Dabei sei gerade dieses Verfahren grundsätzlich sehr transparent gestaltet. Auch ging Schmidt auf die medizinische Seite ein und betonte, dass grundsätzlich jeder - unabhängig vom Alter - als Spender in Betracht käme. Entscheidend sei im Ergebnis nur die Qualität des zu spendenden Organs. Auch komme eine Transplantation nur dann in Betracht, wenn der Hirntod eingetreten sei. Berichte, wonach dies doch schwer festzustellen sei und von Fällen bereichtet worden sei, Organe seien lebenden Menschen entnommen worden, widersprachen sowohl Schmidt als auch sein Kollege Pascher. Werde die Untersuchung lege artis durchgeführt, seien solche Horrorszenarien nicht denkbar.

Auch Prof. Paschen gab Einblicke in die Transplantationsmedizin. Entgegen mancher Vorurteile gehe es den Ärzten gerade nicht um einen Leistungsanreiz, sondern um das Wohl der Patienten, denen durch Transplantationen geholfen werden könne. Dies sei aber nur bedingt möglich. Wegen der geringen Spenderzahl entstünden teils lange Wartelisten. Die geringe Zahl an Sperderorganen könne bspw. durch die Einführung der Widerspruchsslösung erhöht werden. "Ein Allheilmittel ist die Widerspruchslösung aber nicht", gab Paschen zu bedenken. Wichtig sei, dass es von jedem Menschen eine eindeutige und individuelle Entscheidung gebe. Dies sei für alle Beteiligten von immenser Bedeutung. Das jetzige System sei indes in weiten Teilen unbefriedigend. Gleichzeitig forderte der Mediziner, das Gesundheitssystem in diesem Punkt auf die notwendigen Realitäten einzustellen. Es bedürfe einem Bündel an Maßnahmen, Anreize zu setzen. Dabei spielten wirtschaftliche Gesichtspunkte natürlich eine Rolle. Aber vor allem auch die Schaffung eines positiven Images bei Ärzten und Pflegern sei immens wichtig, um dieses schwierige Thema mehr in den Fokus zu rücken. "Am Ende bleibt festzustellen: Organspende ist auch eine Frage der Solidarität in der Gesellschaft", warb Paschen dafür, sich mit dem Thema überhaupt und nachhaltig zu befassen.

In der anschließenden Diskussionsrunde, die von Dr. Gillesen, Leiter des GPA, moderiert wurden, konnten die rund 60 Teilnehmenden Fragen an die beiden Experten stellen und machten davon auch rege Gebrauch. Vor allem das Verhältnis von Patientenverfügung und Organspendeausweise wurde mehrfach angesprochen.

Dr. Ulrich Müller, Vorsitzender der Ortsunion Münster-Süd, betonte in seinen Dankesworten an die Referenten, dass die Veranstaltung dazu beigetragen habe, die Scheu vor dem Thema zu nehmen. "Ich bin sicher, dass wir hier einen wichtigen Beitrag zu geleistet haben. Gleichzeitig hat unsere Bundestagsabgeordnete Sybille Benning sicher noch einige Ansätze für die Arbeit in Berlin mitgenommen", zeigte sich Müller beeindruckt von der guten Diskussion.