Wie kann die Energie- und Wärmewende in Münster gelingen?

Das Potential von "Tiefer Geothermie"

21.11.2022, 21:36 Uhr | Münster-Mecklenbeck

„Wer das hohe Ziel der Klimaneutralität erreichen wolle, der müsse in alle Richtungen blicken, nach oben zu Sonne und Wind, aber auch nach unten, tief in die Erde“, zitierten der Vorsitzende der CDU Mecklenbeck, Andreas Malleprée, und der stellvertretende Vorsitzende des Mecklenbecker Bürgervereins, Frank Bürgel, die Fraunhofer Einrichtung für Energieinfrastrukturen und Geothermie IEG auf einer gemeinsamen Informations- und Diskussionsveranstaltung.

Der Leiter der Fraunhofer IEG, der international gefragte Experte für Geothermie Professor Dr. Rolf Bracke, war eigens aus Bochum angereist, um zusammen mit Markus Bieder, dem Leiter Erneuerbare Wärme der Stadtwerke Münster, den 120 Interessierten im vollbesetzten Mecklenbecker Bürgerzentrum Hof Hesselmann, zu erläutern, ob sich in Münster in Zukunft die Tiefe Geothermie als unabhängig vom Wetter verfügbare Wärmequelle nutzen lässt. Hierdurch ließen sich gleichzeitig mehrere Tausend an das aktuell 235 Kilometer lange Fernwärmenetz der Stadtwerke angeschlossene Haushalte mit klimafreundlicher Energie versorgen.

Laut Professor Bracke ist das Münsterland von der Landesregierung zur Pilot- und Modellregion in NRW erkoren worden, weil gute geologische Aussichten für eine Nutzung der Tiefen Geothermie bestünden. Dabei wird bis zu 180 Grad warmem Thermalwasser aus bis zu 5.000 Metern Tiefe die Wärme entzogen und diese in das Fernwärmenetz der Stadt eingespeist. Das abgekühlte Wasser wird wieder von der Erde aufgewärmt. Professor Bracke zeigte den Anwesenden anhand von Grafiken, dass die im vergangenen Herbst durchgeführten 2D-Seismik-Untersuchungen im Auftrag des Landes NRW gleich drei vielversprechende wasserführende Gesteinsschichten identifiziert hätten.

Markus Bieder skizzierte anschließend den ambitionierten Meilensteinplan der Stadtwerke Münster, die sich bereits frühzeitig das Recht zur Nutzung der Tiefen Geothermie in Münster bergrechtlich gesichert haben: „Wenn alles gut läuft, könnte eventuell schon im Jahre 2030 ein erstes Geothermie-Heizwerk seinen Betrieb aufnehmen“, so Bieder. Damit könnte der Geothermie neben der Solarthermie und anderen Arten erneuerbarer Wärme eine wichtige Rolle für die Wärmeversorgung in Münster zukommen.

Auf die Frage aus dem Publikum, warum die Nutzung denn nicht noch schneller möglich sein, erläuterten Professor Bracke und Markus Bieder einhellig, dass es unbedingt weiterer intensiver Voruntersuchungen mittels detaillierterer 3D-Seismik bedürfe, bevor man an geeigneter Stelle eine Probebohrung vornehmen könne. Auch Tobias Rudolph, Professor für Geomonitoring an der Technischen Hochschule Georg Agricola in Bochum, bekräftigte, dass sich Gewissenhaftigkeit bei der Erkundung und bei der Bohrung später in jeglicher Hinsicht auszahlen.

Angesprochen auf die Risiken von Geothermie verwies Professor Bracke auf die Großstadt München, die bereits seit vielen Jahren erfolgreich einen wachsenden Anteil des Wärmebedarfs mit Geothermie erzeuge.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Stefan Nacke und Ratsherr Ulrich Möllenhoff konnten von den Geothermie-Experten auch konkrete Wünsche nach weiterer Unterstützung durch die Politik mitnehmen, zum Bespiel in Bezug auf die Beschleunigung von Genehmigungsverfahren, die Absicherung der hohen Fündigkeitskosten bis hin zur Ausbildung und Umschulung der erforderlichen Fachkräfte.

Bürgerschaft, Energieversorger, Politik und Wissenschaft müssen weiter in engem Dialog bleiben“, appellierte Andreas Malleprée zum Schluss der Veranstaltung noch einmal an alle Beteiligten, „damit die gewaltige Herausforderung der Energie- und Wärmewende in Münster gelingt.“